„Medizin darf auf die Erkenntnisse der Naturwissenschaft nicht verzichten. Wenn sie sich aber darauf beschränkt, verletzt sie die Würde des Menschen!“

Univ. Prof. Dr. Herbert Pietschmann, em. Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Univ. Wien

„Es genügt nicht, die Gesundheit des Menschen nur physiologisch oder psychologisch zu betrachten; das Gesundheitsproblem wird nur dann gelöst sein, wenn das Problem des Lebens in seiner Gesamtheit gelöst ist.“

Maharishi Mahesh Yogi, bedeutender Vedischer Gelehrter

„Durch die Integration der konventionellen, der komplementären und der Vedischen Medizin steht ein umfassendes, vollständiges theoretisches und praktisches Wissen zur Verfügung, das alle Gesundheits- und Lebensbereiche umfasst und abdeckt – eine ganzheitliche, moderne „Wissenschaft vom Leben“.

Dieses ganzheitliche medizinische Weltbild eröffnet ein neues Kapitel unseres modernen Gesundheitssystems — die Möglichkeit der Schaffung einer krankheitsfreien, gesunden Gesellschaft auf der Basis einer integrativen Bewusstsein-basierten Medizin.“

Lothar Krenner, Arzt für Allgemeinmedizin, Wien

2. Analyse der Ausgangssituation

Das Lebenskonzept unserer modernen Gesellschaft basiert auf einem begrenzten, konventionellen Wissenschaftskonzept. Darin liegt die Hauptursache der zunehmenden Probleme der modernen Gesundheitssysteme, die sich in den einschlägigen Statistiken deutlich widerspiegeln und in diesem Abschnitt auszugsweise dargestellt werden (zusätzlich siehe Gesundheitsstatistik, → https://MedizinDerZukunft.org/b).

Die Herausforderungen der modernen Gesundheitssysteme sind größtenteils bekannt und erstrecken sich v. a. auf die nachstehend erläuterten Problembereiche.

2.1. Steigende Kosten

_Zunehmende Teuerung moderner Therapieverfahren einschließlich der Entwicklung neuer Medikamente,
_Zunahme chronischer Erkrankungen,
_systembedingte Organisationsprobleme
_unterschiedliche Player im Gesundheitssystem mit unterschiedlichen Interessen,
_Gewinnorientierung (Maio 2012; s. auch Frass und Krenner 2019, S. 6).

2.2. Zunehmende Belastung des Gesundheitspersonals

_ Automatisierte Fließbandmedizin mit reduzierter Möglichkeit zur Sinnfindung,
_reduzierte zeitliche Ressourcen,
_zunehmende Bürokratie,
_ inadäquate Bezahlung,
_ zu wenige Angebote für flexible Arbeitszeitmodelle,
_nicht ausreichende Regenerationszeiten,
_zunehmende Belastungssymptomatik mit psychischen und körperlichen Auswirkungen.

Durch diese Faktoren rückt die soziale Orientierung des auf Mitmenschlichkeit abgestimmten Gesundheitssystems mit dem primären Ziel, kranken Menschen zu helfen, in den Hintergrund – und dies hinterlässt Unzufriedenheit bei einem Großteil der Beteiligten.

2.3. Lebensstil-Pandemien

Auch wenn die großen, von der Öffentlichkeit wahrgenommen Herausforderungen der letzten Jahre (2020-2022) auf dem Gebiet der viralen Pandemien lagen (COVID-19), sind es doch primär die Lebensstil-Pandemien, die das Gesundheitssystem auf lange Sicht herausfordern werden: u. a. Erkrankungen des Stoffwechsels und ernährungsbedingte Erkrankungen (sowohl Ernährungsarmut als auch Überernährung), des Herz-Kreislauf-Systems, Stress-Folgekrankheiten und psychische Erkrankungen, zunehmende chronische Krankheiten, Krebs, Umweltbelastungen, aber auch soziale Ungleichgewichte und zunehmende Gewaltphänomene.

Prä-Adipositas und Adipositas

Beispielhaft werden im Folgenden einige statistische Zahlen zum Thema Prä-Adipositas (Übergewicht) und Adipositas (Fettleibigkeit) angeführt:

_ Übergewicht und Adipositas sind und bleiben die größte Pandemie des 21. Jahrhunderts. Nach Schätzungen der World Obesity Federation werden im Jahr 2025 ca. 2,7 Mrd. Erwachsene (47 % der Weltbevölkerung) übergewichtig und > 1 Mrd. fettleibig sein (17,5 % der Weltbevölkerung), wobei 177 Mio. durch Adipositas in ihrer Gesundheit schwer beeinträchtigt werden (World Obesity Federation 2022).

_ In Deutschland sind rund zwei Drittel (67 %) der Männer und die Hälfte (53 %) der Frauen übergewichtig (BMI ≥ 25 kg/m²). Ein Viertel der Erwachsenen sind stark übergewichtig (adipös; BMI ≥30 kg/m²), das sind 23 % der Männer und 24 % der Frauen (DAG 2025a).

_ Die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Adipositas in Deutschland belaufen sich, alle direkten und indirekten Kosten zusammengenommen, auf etwa 63 Mrd. € pro Jahr (DAG 2025b).

_ Aus dem Country Health Profile Austria 2021, Europäische Kommission: Etwa 40 % aller Todesfälle in Österreich im Jahr 2019 sind auf verhaltensbedingte Lebensstil-Risikofaktoren zurückzuführen

_ Laut DANK (Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten) entfallen > 80 % der vorzeitigen Todesfälle in Europa auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes oder bestimmte Krebsarten.

Wohn-, Lebens- und Umweltsituation

Fragen des Lebensstils sind nicht nur Fragen des Stress-Managements, der Ernährung, der körperlichen Bewegung, sondern die Gesundheit wird auch zu einem wesentlichen Teil durch die Wohn-, Arbeits- und Umwelt-Situation beeinflusst:

Sick-Building-Syndrom (SBS)

umfasst die Bereiche Raumklima, Luftqualität, Beleuchtung/Lichtverschmutzung, elektromagnetische Strahlung, Stress und soziales Klima (Redlich et al. 1997).

Elektrosensibilität (EHS – Electromagnetic Hypersensitivity Syndrome)

betrifft die Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf die Gesundheit durch massive Nutzung von Mobilfunk (4G und 5G) und WLAN (Smart-Office, Smart-Home, WLAN im öffentlichen Raum/Smart City, Elektro-Autos etc.) (DGKJ 2022; Diagnose-Funk e.V. 2025). Aufgrund der großen wirtschaftlichen Interessen im Zusammenhang mit diesem Themenbereich ist es nicht verwunderlich, dass die Studienlage kontrovers diskutiert wird. Tatsache ist, dass die Nutzung von Mobilfunk und WLAN einen gesunden Rahmen bei weitem übersteigt. Studien weisen darauf hin, dass exzessive Nutzung negative Auswirkungen auf Konzentration, Schlaf, soziale Interaktion, Persönlichkeitsentwicklung und physiologische Hirnreifungsprozesse haben kann.

Neuro-Urbanistik

eigener Forschungszweig, der Medizin, Stadtplanung (z. B. Vedische Gesundheitsarchitektur, → https://maharishivastu.com/; letzter Zugriff am 01.04.2025) und Urbanisierung umfasst (Krenner 2020a, b; Grassberger 2024). Die Forschung im Bereich Urbanisierung zeigt, dass die Lebensqualität und damit der Gesundheitszustand in einer modernen Stadt im Wesentlichen vom „Klima” abhängig ist: „Klima” bedeutet hier einerseits genügend „Natur” mit Grünflächen, Parks, gesunder Luftqualität, Maßnahmen gegen Hitzestaus sowie Lärm- und Lichtmanagement. Andererseits und primär wird damit das soziale, gesellschaftliche Klima, d. h. das Kohärenz-, bzw. Stressniveau im kollektiven Bewusstsein, angesprochen (→ Abschn. 2.4.3, Kollektive Gesundheit).