„Nach Jahrtausenden der Lebenskonzepte, die die Begrenztheit des Lebens propagieren und Probleme, Krankheit und Leiden als unvermeidbar postuliert haben, erfordert es Offenheit, Mut, Weitsicht und auch Vertrauen ein neues, vollständiges Wissen über das Leben aufzugreifen und umzusetzen. Dadurch entsteht die Möglichkeit der Entwicklung einer gesunden, Zukunfts-orientierten, glücklichen, friedlichen Gesellschaft.

Der erste und wichtigste Schritt beginnt mit der Entwicklung des Bewusstseins jedes einzelnen Menschen – dem Prozess der Selbst-Erkenntnis.“

Lothar Krenner, Arzt für Allgemeinmedizin, Wien

„Es genügt nicht, die Gesundheit des Menschen nur physiologisch oder psychologisch zu betrachten; das Gesundheitsproblem wird nur dann gelöst sein, wenn das Problem des Lebens in seiner Gesamtheit gelöst ist.“

Maharishi Mahesh Yogi, bedeutender Vedischer Gelehrter

„Die Quantentheorie lässt keine völlig objektive Beschreibung der Natur mehr zu ..."

Werner Karl Heisenberg, Begründer der Quantenmechanik

1. Einführung

Die folgenden Ausführungen sollen einen Beitrag zur Förderung einer offenen Grundsatzdiskussion über die Zukunft der Medizin und die Zukunft der modernen Gesundheitssysteme leisten. Es wird u. a. der Frage nachgegangen, welche Punkte entscheidend sind, um das bestehende System zukunftstauglich zu machen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Bereitschaft und Offenheit, neue Dimensionen in den Entwicklungsprozess zu integrieren und „Medizin neu zu denken”.

Ein modernes Gesundheitssystem erfordert eine Neuausrichtung auf Basis einer „ganzheitlichen Wissenschaft vom Leben”, verbunden mit neuen, revolutionären Visionen; diese werden in diesem Beitrag vorgestellt, gemeinsam mit Vorschlägen zu einer möglichen praktischen Umsetzung.

Vision eines modernen Gesundheitssystems

Die gegenwärtige Zeit ist eine Zeit mit einem großen Veränderungs- und Entwicklungspotenzial. Zu Beginn dieses Beitrages wird ein evidenzbasiertes, ideales Leitbild einer modernen Medizin der Zukunft zur Diskussion gestellt: Die Schaffung einer krankheitsfreien Gesellschaft.

Bei der Beschäftigung mit dieser Vision – zunächst einmal unabhängig von ihrer Realisierbarkeit – sollte man nicht dem Irrtum verfallen, dass sie allein durch mehr finanzielle Mittel, mehr Forschung, mehr Personal und mehr medizinische Einrichtungen verwirklicht werden kann. Es werden neue medizinische Weltbilder und ein neues ganzheitliches Bewusstsein über das Leben benötigt. In diesem Zusammenhang wird es notwendig sein, neue Kriterien zu definieren, an denen eine erfolgreiche Medizin gemessen wird: Das Ziel eines modernen und effizienten Gesundheitssystems kann nicht ausschließlich darin bestehen, immer mehr und immer modernere Krankenhäuser zu bauen, sondern Krankenhäuser schließen zu müssen, nicht aus Mangel an Fachpersonal, sondern aus Mangel an Patienten – eine gute Medizin muss in der Lage sein zu verhindern, dass Menschen krank werden.

Neben den zahlreichen bekannten Problembereichen der modernen Gesundheitssysteme sind die großen Herausforderungen der Zukunft die sog. Lebensstil-Pandemien (non-communicable diseases). Diese stellen die praktische Bewährungsprobe einer zukünftigen, modernen Medizin dar. Das Gesundheitssystem ist ein direktes Abbild der Gesellschaft, d. h., grundlegende Anderungen sind nur möglich, wenn sie mit Gesundheitsentwicklungen des gesellschaftlichen Gesamtsystems einhergehen.

Dies erfordert neue, ganzheitliche wissenschaftliche Konzepte, die das Potenzial besitzen, das Denken und Handeln der Menschen aus innerem Antrieb heraus in Richtung Gesundheitsförderung zu entwickeln und zu verändern. Im Zusammenhang mit Gesundheitserziehungsprogrammen geht es in erster Linie um eine Verbesserung individueller und kollektiver Gesundheit. Sie kann nur auf der Basis der systematischen Entwicklung der inneren Ressourcen der Menschen, d. h. der vollständigen Entfaltung des Bewusstseins stattfinden.

In einer von konservativer, reduktionistischer Naturwissenschaft und Technik dominierten Welt wird die ganzheitliche Weisheit natürlicher Systeme unterschätzt und dabei übersehen, dass sie die Basis für evolutionäre Entwicklungsvorgänge bildet, einschließlich der Prozesse zur Gesunderhaltung und Heilung.

Medizin muss sich in Richtung Ganzheit des Lebens entwickeln. Die Medizin der Zukunft muss auf einem ganzheitlichen Wissenschaftssystem gegründet sein, das sowohl die Individualität und Begrenzung als auch die Vernetzung, Unbegrenztheit und kosmische Dimension des Lebens einschließt.

Der Mensch muss zurückfinden zu seiner Stellung als integrierter Teil eines großen Ganzen. Die moderne Medizin muss das Wissen und die Technologien zur Verfügung stellen, um im Einklang mit diesem großen Ganzen – mit der Gesamtheit aller Gesetze der Natur – leben zu können. Eine faszinierende Entwicklung steht bevor, die die Bereitschaft erfordert, das bisherige klassische, auf Mess- und Wägbares reduzierte naturwissenschaftliche Weltbild weiterzuentwickeln und die damit verbundene Isolation in einer vom Menschen geschaffenen Lebensumwelt zu transformieren (s. Paradigmenwechsel in der Wissenschaft,
https://MedizinDerZukunft.org/a).

Unser modernes Leben steht vor einem epochalen Phasensprung – der Integration des objektiven und subjektiven Wissensansatzes hin zu einer „ganzheitlichen Wissenschaft vom Leben”. 

Diese „ganzheitliche Wissenschaft vom Leben” hat sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt als eine Integration der neuesten Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften und der jahrtausendealten Vedischen Wissenschaft; diese beinhaltet ein umfassendes, systematisches Wissen über Bewusstsein, Bewusstseinsentwicklung und Bewusstseinsforschung und beschreibt materielle Phänomene als einen systematischen Verdichtungsprozess eines absoluten Bewusstseinsfeldes.

Diese beiden Wissenschaftssysteme kommen auf ihrem objektiven und subjektiven Weg zu denselben Grunderkenntnissen – dass nämlich die Grundlage des Lebens nicht materiell, sondern ein unbegrenztes, abstraktes, unmanifestes Intelligenz- und Energiefeld ist, die Schaltzentrale des Lebens. Die Naturwissenschaft definiert dies als „Einheitliches Feld” (Unified-Field-Theorien, bzw. Superstring-Theorien) und die Vedische Wissenschaft als „VEDA”, als „Transzendentales Bewusstsein” bzw. als „kosmisches Selbst” oder „Atma” (→ Abschn. 2.4.5; Frass und Krenner 2019; Hagelin 1987).

Dieses wissenschaftliche Weltbild umfasst ein ganzheitliches und vollständiges Wissen über das Leben. Die jahrtausendealte Vedische Wissenschaft beschreibt die verschiedenen Ebenen der Natur und der Naturgesetze, von der abstrakten, transzendenten Ebene bis zu den ausgedrückten, manifesten Ebenen der Materie und des Geistes. Gleichzeitig bietet es auch die Technologien an, das unendliche Potenzial der Intelligenz der Natur im Bewusstsein jedes Menschen zu entfalten und damit sein Denken und Handeln in Einklang mit den Naturgesetzen zu bringen – dies ist die notwendige Voraussetzung für ein gesundes und friedliches Leben der einzelnen Menschen und der Gesellschaft als Ganzes.

Das Besondere an diesem Entwicklungsprozess ist das Zusammenführen der neuesten Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft mit der ältesten Wissenstradition, der Vedischen Wissenschaft (Hagelin 1987; Frass und Krenner 2019, S. 829-842; Nader 2000, 2015, 2024). Damit ist eine Überwindung des isolierten materiellen Weltbildes verbunden, das trotz aller technischen Fortschritte nicht mehr ausreichend in der Lage ist, Probleme zu lösen bzw. ihnen vorzubeugen – das materielle Weltbild stößt an seine Grenzen.

Die Umsetzung dieses neuen, ganzheitlichen Wissenschaftskonzepts ist einfach durchzuführen und in das tägliche Leben zu integrieren; als Notwendigkeit für diese Umsetzung ist die Bereitschaft zu einem generellen, vorurteilsfreien Umdenken erforderlich (→ Abschn. 2.4.3 und 2.4.5).