Link B: Problembereiche, Gesundheitsstatistik
Die Herausforderungen der modernen Gesundheitssysteme sind großteils bekannt:
1. Steigende Kosten: zunehmende Teuerung moderner Therapieverfahren, einschließlich der Entwicklung neuer Medikamente, höhere Lebenserwartung, Zunahme chronischer Erkrankungen, System-bedingte Organisationsprobleme – stationärer/ambulanter Bereich, längere Wartezeiten, unterschiedliche Player im Gesundheitssystem mit unterschiedlichen Interessen, Gewinn-Orientierung (Maio G, 2012).
2. Steigende Belastung des Gesundheitspersonals: Automatisierte Fließband-Medizin mit reduzierter Sinnfindungs-Möglichkeit, reduzierte Zeit-Ressourcen; zunehmende Bürokratie; nicht adäquate Bezahlung; zu wenig flexible Arbeitszeit-Modell-Angebote; nicht ausreichende Regenerationszeiten; zunehmende Belastungs-Symptomatik mit psychischen und körperlichen Auswirkungen.
Durch diese Faktoren rückt die soziale Orientierung des auf Mitmenschlichkeit abgestimmten Gesundheitssystems mit dem primären Ziel kranken Menschen zu helfen, in den Hintergrund – und hinterlässt Unzufriedenheit bei allen Beteiligten.
3. Lebensstil-Pandemien: Auch wenn die großen Herausforderungen der letzten Jahre – die in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden – auf dem Gebiet der viralen Pandemien lagen (COVID-19), sind es doch primär die Lebensstil-Pandemien (Non-Communicable Diseases), die unser Gesundheitssystem auf lange Sicht herausfordern werden: u.a. Erkrankungen des Stoffwechsels und der Ernährung (sowohl Ernährungs-Armut als auch Überernährung), des Herz-Kreislauf-Systems, Stress-Folgekrankheiten und psychische Erkrankungen, zunehmende chronische Krankheiten, Krebs, Umweltbelastungen, aber auch soziale Ungleichgewichte und zunehmende Gewalt-Phänomene.
Literatur, Statistik:
Beispielhaft werden einige statistische Zahlen zum Thema „Prä-Adipositas“ und „Adipositas“ angeführt:
a) Übergewicht (Prä-Adipositas) und Adipositas sind und bleiben die größte Pandemie des 21. Jahrhunderts. Nach Schätzungen der World Obesity Federation werden im Jahr 2025 ca. 2,7 Milliarden Erwachsene (47% der Weltbevölkerung) übergewichtig und über eine Milliarde fettleibig sein (17,5% der Weltbevölkerung), wobei 177 Millionen durch Adipositas in ihrer Gesundheit schwer beeinträchtig werden.
Ref.: Ref. World Obesity Federation; Prevalence of Obesity. https://www.worldobesity.org/about/about-obesity/prevalence-of-obesity
b) Übergewicht und Adipositas in der Europäischen Region (WHO European Regional Obesity Report, 2022):
– Übergewicht und Adipositas betreffen fast 60% der Erwachsenen.
– Übergewicht (einschließlich Adipositas) ist ein weit verbreitetes Problem, von dem 4,4 Millionen Kinder unter 5 Jahren betroffen sind, das sind 7,9% aller Kinder dieser Altersgruppe.
– Die Europäische Initiative der WHO zur Überwachung der Adipositas im Kindesalter zeigt, dass fast eines von drei Kindern im Schulalter mit Übergewicht oder Adipositas lebt.
– Alarmierend ist der stetige Anstieg der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit), und kein einziger Mitgliedstaat der Region ist auf dem Weg, das Ziel zu erreichen, den Anstieg der Fettleibigkeit bis 2025 zu stoppen.
(WHO European Regional Obesity Report 2022. Copenhagen: WHO Regional Office for Europe; 2022; https://www.who.int/europe/publications/i/item/9789289057738).
In Deutschland sind rund zwei Drittel (67%) der Männer und die Hälfte (53%) der Frauen übergewichtig (BMI ≥ 25 kg/m2). Ein Viertel der Erwachsenen sind stark übergewichtig (adipös; BMI ≥30 kg/m2), das sind 23% der Männer und 24% der Frauen (https://adipositas-gesellschaft.de/ueber-adipositas/praevalenz/; https://edoc.rki.de/handle/176904/1481).
Laut Berechnungen der Universität Hamburg belaufen sich die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Adipositas in Deutschland, alle direkten und indirekten Kosten zusammengenommen, auf etwa 63 Milliarden Euro pro Jahr (https://adipositas-gesellschaft.de/ueber-adipositas/kosten-der-adipositas-in-deutschland/).
Lebensstil-Pandemien sind ein globales Problem; kein Gesundheitssystem der Welt wird in der Lage sein die daraus entstehenden Belastungen auf Dauer zu verkraften.
c) Einige Zahlen aus dem Country Health Profile Austria, 2021, Europäische Kommission:
– Etwa 40 % aller Todesfälle in Österreich im Jahr 2019 sind auf verhaltensbedingte Lebensstil-Risikofaktoren zurückzuführen.
– Die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben in Österreich waren im Jahr 2019 die dritthöchsten in der EU. Österreich gibt deutlich mehr als die meisten Länder für die stationäre Versorgung in Krankenhäusern aus, während die Ausgaben für die Prävention unterdurchschnittlich sind
(https://eurohealthobservatory.who.int/publications/m/austria-country-health-profile-2021).
d) Laut DANK (Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten) gehen mehr als 80 Prozent der vorzeitigen Todesfälle in Europa auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 oder bestimmte Krebsarten zurück.
Die Risikofaktoren für diese Krankheiten sind bekannt: ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol und die massive Stressbelastung unserer schnelllebigen Zeit mit einem Missverhältnis zwischen Belastungs- und qualitativ hochwertigen Ruhe- und Entspannungs-Phasen (siehe Meditation, Pkt. 3.).
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten (DANK) ist ein Wissenschaftsbündnis aus 22 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, das sich seit 15 Jahren für Maßnahmen der Prävention zur Verhinderung von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten einsetzt (www.dank-allianz.de; https://www.dank-allianz.de/pressemeldung/vor-bundestagswahl-dank-legt-6-punkte-plan-fuer-praeventionswende-vor.html).
Maio G., Univ. Prof. Dr. med. Giovanni Maio, Institut für Medizinethik, Universität Freiburg
1. „Ökonomisierung der Gesundheit“; Integrative Medizin: Evidenzbasierte komplementärmedizinische Methoden, Springer (2019), Hrsg. Frass/Krenner, Kp 1, S.6;
2. Maio G (2012) Heilen als Management? Z Allgemeinmed 01/2012:18–23. https://www.online-zfa.de/archiv/ausgabe/artikel/zfa-1-2012/47838-103238-zfa20120018-0023-heilen-als-management.
Amtliche Jahrbücher und Statistiken:
– Österreich: Jahrbuch der Gesundheitsstatistik, Statistik Austria, 2021, Veröffentlichung: 04/2023
https://www.statistik.at/services/tools/serviceangebote/publikationen/detail/1525?utm_source=chatgpt.com
– Schweiz: BFS Gesundheitsstatistik & Statistical Yearbook, Bundesamt für Statistik, Gesundheit:
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit.html
– Deutschland: Das Journal of Health Monitoring ist eine Online-Publikationsreihe der Gesundheitsberichterstattung (GBE) des Bundes am Robert Koch-Institut (RKI).
https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/journal-of-health-monitoring-node.html
Methodische Grundlagen:
– Public Health Kompakt, 5. Aufl., 2025, De Gruyter Studium, Hrsg. M. Egger, O. Razum, A. Rieder
– Statistik Kompakt für Gesundheitsforschende – Deskriptive Statistik und Inferenzstatistik, 1. Aufl. 2026, Verlag: Beltz Juventa, Hrsg. Th. Krause, M. Niederberger