4. Zukunft der Medizin
Die Zukunft der Medizin liegt in einem Zusammenführen der Medizin als Wissenschaft und der Medizin als Kunst (Pietschmann in Frass und Krenner 2019, S. 23 ff.). Dies bedeutet eine Integration der unterschiedlichen Medizinmodelle: hin zu einer ganzheitlichen Bewusstsein-basierten Medizin:
_Konventionelle, klassisch-naturwissenschaftliche Medizin,
_komplementäre-/Ganzheits-/integrative Medizin,
_Maharishi Vedische Medizin,
_Bewusstsein-basierte Medizin.
4.1. Zukunftsvisionen der konventionellen Medizin
Es gibt große Bemühungen von unterschiedlichen Seiten, das Gesundheitssystem besser und effizienter zu machen. Die naturwissenschaftlichen Leistungen und die Bemühungen, die Situation im Gesundheitswesen positiv zu entwickeln, sind beeindruckend. Die Ergebnisse im Hinblick auf die Entwicklung einer gesunden Gesellschaft sind derzeit allerdings noch nicht befriedigend.
Mit großem Enthusiasmus werden Visionen über die naturwissenschaftlich orientierte Medizin der Zukunft diskutiert. Dabei fallen Fachbegriffe wie Künstliche Intelligenz (KI), Service-Robotik, Telemedizin, Virtual-Reality, Remote- und Mobil-Technologien und digitales Krankenhaus. Digitales Monitoring soll den Bereich der Früherkennung und Prävention effizienter machen. Präzise Genanalysen, z. B. bei Neugeborenen, könnten Krankheiten vermeiden oder deren Ausbruch verzögern (Shryock 2023).
Durch die zunehmende Nutzung digitaler Technologien und die Möglichkeit, riesige Datenmengen zu sammeln und auszuwerten, wird die Individualisierung der Medizin weiter voranschreiten. Verfahren wie Gene-Sequencing, Biomarker-Messungen mit Smart-Devices und Kl-basierten Datenauswertungen eröffnen den Zugang zur Früherkennung gesundheitlicher Probleme mithilfe von modernster Technik.
Daraus ergeben sich Vorteile für die Gesundheitsversorgung durch individuell auf den Patienten abgestimmte Präventions-, Diagnostik- und Therapiemaßnahmen (Singh 2023).
Durch den Aufbau intelligenter Gesundheitszentren (Smart Health Hubs) und die zusätzliche Verlagerung der Gesundheitsversorgung direkt in das private Umfeld der Menschen entstehen weitere Vorteile im Bereich der Früherkennung und kontinuierlichen Überwachung. Technologien wie Sensoren, Wearables, Telehealth, Augmented-Reality und andere digitale Gesundheits-Tools ermöglichen ein kontinuierliches Monitoring und die Betreuung von Patienten in deren gewohnter Alltagsumgebung.
Ebenso wird die Ausweitung der ambulanten Versorgung auf Bereiche außerhalb der traditionellen medizinischen Einrichtungen, wie z. B. auf öffentliche Institutionen oder Einkaufszentren, zu einer effizienteren Überwachung und Früherkennung beitragen.
Auch im Bereich der digitalen Gesundheitsbetreuung (Digital Human Care) werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten große Fortschritte erwartet, z. B. mit Hilfe von Care-Robotics.
Die Entwicklung des etablierten Gesundheitswesens wird wesentlich bestimmt durch die Integration von modernster Medizintechnik und Kl. Traditionelle medizinische Praktiken werden dadurch neu definiert und die Präzision, Effizienz sowie Personalisierung der medizinischen Versorgung signifikant gesteigert.
Dabei wird ein wichtiger Faktor die Interaktion zwischen Mensch und Maschine sein. Je mehr die technologische Entwicklung in der Medizin voranschreitet, umso entscheidender ist es, dass die menschliche Zuwendung in das Zentrum der Gesundheitsversorgung gerückt wird – u. a. Qualitäten wie Fürsorge (care behaviour), Mitgefühl und Achtsamkeit. Liebevolles, respektvolles, menschliches Verhalten im Umgang mit Patienten (und Mitarbeitern) wird letztlich darüber entscheiden, wie erfolgreich digitale Gesundheitsdienste sein werden.
Damit die Vorteile der modernen technologischen Entwicklungen auch umgesetzt werden können und zum Tragen kommen, wird es notwendig sein, die Ganzheit des Lebens und der Lebenssituation für die einzelnen Menschen und für die Gesellschaft insgesamt mehr in den Vordergrund zu rücken.
4.2. Komplementäre- / Ganzheits- / Integrative Medizin
Neben der im vorigen Abschnitt aufgezeigten technischen Entwicklung, die ein enormes Potenzial besitzt, gibt es die Zukunftsvisionen der Ganzheitsmedizin. Die Ganzheitsmedizin erfasst den Menschen ganzheitlich, d. h. als Einheit von Seele, Geist, Körper, sozialem Umfeld und Umwelt.
Ganzheitsmedizin / Komplementärmedizin
Das Leben ist ganzheitlich, daher muss auch eine effiziente Medizin ganzheitlich sein.
Derzeit befinden wir uns am Übergang von einem objektiv-naturwissenschaftlich orientierten Medizinsystem zu einer Ganzheitsmedizin, in der zusätzlich die evidenzbasierte Komplementärmedizin eine immer bedeutendere Rolle spielt.
Die einzelnen Methoden der komplementären Medizin und ihre Wirkmechanismen werden in Frass und Krenner (2019) ausführlich behandelt.
Im Zusammenhang mit den Wirkmechanismen der komplementären Medizin erscheint häufig der Fachbegriff Regulationsmedizin; darunter wird u. a. Folgendes verstanden:
Regulationsmedizin
_ Selbstregulation und Homöostase: Der Körper verfügt über intrinsische Mechanismen, die ein inneres Gleichgewicht (Homöostase) aufrechterhalten. Krankheiten entstehen, wenn diese Mechanismen gestört oder überlastet sind.
_ Salutogenese statt Pathogenese: Der Fokus liegt auf der Stärkung der Gesundheit statt der reinen Bekämpfung von Krankheiten. Gefördert werden Faktoren, die den Organismus resilienter gegen Belastungen machen. Ziel ist die Wiederherstellung der Regulationsfähigkeit des Organismus.
_Multisystemische Betrachtung des Organismus: Wechselwirkungen zwischen Nerven-, Hormon- und Immunsystem, Mikrobiom und Stoffwechsel; dabei spielen psychoneurolmmunologische Zusammenhänge eine zentrale Rolle.
_Energetische und Informationsmedizinische Feld-Phänomene: Der Körper kommuniziert nicht nur biochemisch, sondern auch über elektromagnetische, bioenergetische und biophysikalische Prozesse. Es wird untersucht, wie diese Felder beeinflusst werden können (z. B. durch Frequenz-, Magnetfeldtherapie, Elektrostimulation oder auch Neuraltherapie und Akupunktur).
_ Einbezug von Umweltfaktoren: z. B. Belastungen durch Toxine, Elektrosmog, Mikronährstoffmangel, Stress etc.
_Diagnostik und Therapie: Sie basieren auf einer individuellen Analyse der Regulationsfähigkeit des Organismus (z. B. durch HRV-Messung, Pulsdiagnostik, Elektroakupunktur oder funktionelle Labordiagnostik). Ziel ist es, gezielt Regulationsblockaden zu lösen und die Fähigkeit des Organismus zur Selbstheilung zu verbessern.
Regulationsmedizin verbindet traditionelle ganzheitliche Heilmethoden mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Systembiologie, Epigenetik und Neuroimmunologie.
Regulationsmedizin spielt eine zunehmende Rolle in der Präventivmedizin und der Behandlung chronischer Erkrankungen, indem sie individuell auf den Menschen abgestimmte ganzheitliche Gesundheitsstrategien anbietet.
Dabei werden mithilfe gezielter, individuell abgestimmter Reize
_ bei mangelhafter Regulation Regulationsvorgänge aktiviert,
_ bei blockierter Regulation Blockaden abgebaut,
_ bei überschießender Regulation Regulationsvorgänge beruhigt oder
_ bei Dysregulation die physiologischen Kohärenz-Muster wiederhergestellt.
Als ein eigenes Gebiet hat sich die Mind-Body Medizin (MBM) etabliert. Sie wird häufig der psychologischen Medizin und Psychosomatik zugeordnet und ist damit größtenteils in den konventionellen Medizinbetrieb integriert.
Mind-Body-Medizin postuliert die Priorität des Geistes und die enge Verbindung zwischen Seele, Geist und Körper.
Beispiele für Anwendungs- und Forschungsbereiche der MBM sind Stressmanagement-Programme und die Psychoneuroimmunologie, aber auch die Plazeboforschung (Schubert 2018; Barrows und Jacobs 2002).
Kritik der etablierten Medizin an der Komplementärmedizin
Gegenüber der Komplementärmedizin wird von einigen Kritikern häufig das Argument verwendet, sie entspreche nicht den gängigen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und sei daher „unwissenschaftlich”.
In diesem Kapitel und auch in Frass und Krenner (2019) wird darauf hingewiesen, dass sich das naturwissenschaftliche Weltbild mit der Einführung der quantenphysikalischen Modelle grundlegend geändert hat (Pietschmann 2013; Frass und Krenner 2019, S. 23 ff.,S. 45-90).
Die Tatsache, dass die klassische Naturwissenschaft etwas nicht erklären kann, heißt nicht, dass dies unwissenschaftlich sein muss; in vielen Fällen stimmen die Modelle der Komplementärmedizin zwar nicht mit der klassischen, wohl aber mit der modernen, quantenphysikalischen Realität überein.
Wie in diesem Kapitel mehrfach betont, ist es an der Zeit, die Komplementärmedizin von einem modernen, ganzheitlichen Standpunkt aus zu beurteilen und die Sichtweise ihr gegenüber zu ändern, zu vervollständigen und zu aktualisieren. (s. Paradigmenwechsel in der Wissenschaft, → https://MedizinDerZukunft.org/a).
Ein weiterer Kritikpunkt der etablierten Medizin, der sich häufig in den Leitlinien findet, ist die nicht ausreichende und nicht befriedigende Studienlage im Bereich der Komplementärmedizin. Die primäre, wissenschaftlich redliche Konsequenz wäre es, die Grundlagen und Voraussetzungen für klinische Forschung zu schaffen, bzw. zu verbessern, d. h. einerseits Komplementärmedizin in ausgewählten Bereichen systematisch in den klinischen Alltag zu integrieren und andererseits die Errichtung von Lehrstühlen in universitären Einrichtungen mit entsprechender personeller und finanzieller Ausstattung zu fördern (Frass und Krenner 2019, S. 4 ff.).
Trotz der derzeit begrenzten Möglichkeiten hat sich die Evidenzlage im Bereich der Komplementärmedizin positiv entwickelt, was auch in diesem Buch dokumentiert ist.
Integrative Medizin
Neben „Ganzheitsmedizin” hat sich international der Begriff „integrative Medizin” etabliert; er beinhaltet die Bemühungen einer gleichwertigen Integration der naturwissenschaftlich orientierten konventionellen Medizin und der evidenzbasierten, komplementären Medizin – aber auch der traditionellen Erfahrungsheilkunde – in den Medizinalltag.
Speziell in der Behandlung chronischer Erkrankungen zeigt die integrative Medizin deutliche Vorteile gegenüber der rein konventionellen Herangehensweise (Frass und Krenner 2019; Deuse et al. 2006; Brinkhaus und Esch 2021) (s. Studien-Übersicht,
→ https://MedizinDerZukunft.org/c).
Der integrative Ansatz der Medizin ist ein wichtiger Fortschritt; er allein reicht jedoch nicht aus, die Probleme der modernen Gesundheitssysteme in den Griff zu bekommen und die Entwicklung einer gesunden, zukunftsorientierten Gesellschaft zu optimieren.
4.3. Neues Wissenschaftskonzept
Nach einer langen Periode der Menschheitsgeschichte, in der das Leben von einem materiellen Weltbild aus betrachtet wurde, steht die Gesellschaft nun – nach einem Informationszeitalter – an der Schwelle zu einer neuen Zeit-Qualität – einem Bewusstseinszeitalter.
Wandel des naturwissenschaftlichen Weltbildes
Die Entwicklung quantenphysikalischer Modelle hat zu einer grundlegenden Änderung des naturwissenschaftlichen Weltbildes geführt. Die Unified-Field- und Superstring-Theorien der modernen Physik gehen von einem nichtmateriellen, abstrakten Energie-und Intelligenzfeld aus als Grundzustand materieller Phänomene. Dies bedeutet eine Revolution des bisherigen wissenschaftlichen Weltbildes (Dürr 2009, 2010; Frass und Krenner 2019, S. 45-90) (s. Paradigmenwechsel in der Wissenschaft,
→ https://MedizinDerZukunft.org/a)
Die Tatsache, dass trotz der Erkenntnisse der Quantenphysik ein Großteil der Menschen noch im gewohnten, materiellen Weltbild der klassischen Physik verhaftet geblieben ist, hängt mit dem Wahrnehmungsrahmen des Bewusstseins zusammen. Solange die Gesellschaft in der Relativität des begrenzten Wach-Bewusstseins lebt, wird es schwierig sein, die neue quantenphysikalische Welt nachvollziehen und verstehen zu können (Pietschmann 2013; Frass und Krenner 2019, S. 23 ff.).
Das Besondere an unserer Zeit ist das Zusammenführen dieser neuen Modelle und neuen Dimensionen der modernen Physik mit einem jahrtausendealten Wissenschaftssystem, das sich Vedische Wissenschaft nennt und das „Bewusstsein” als Basis des Lebens postuliert. Das Gemeinsame dieser beiden wissenschaftlichen Weltbilder ist die Dimension des Abstrakten, Absoluten, Unbegrenzten, Transzendenten – damit ist die entscheidende Weiterentwicklung des begrenzten, materiellen Bewusstseinsrahmens verbunden. Es führt zu einer ganzheitlichen Integration objektiver und subjektiver wissenschaftlicher Lebenskonzepte (Hagelin 1987, 2024; Nader 2000, 2015, 2024) (s. Vergleich von moderner Naturwissenschaft mit jahrtausendealter Vedischer Wissenschaft,
→ https://MedizinDerZukunft.org/d).
Die Vedische Wissenschaft ist die Wissenschaft des Bewusstseins. Sie bietet sowohl theoretisches als auch praktisches Wissen an über die Ganzheit des Lebens, über die Gesamtheit der Naturgesetze und über die ganzheitliche Intelligenz, von der die hochkomplexen Lebensprozesse gesteuert werden. Sie wurde von dem Vedischen Gelehrten Maharishi Mahesh Yogi vor etwa 60 Jahren in ihrer Vollständigkeit wiederentdeckt und in einer modernen, wissenschaftlichen Sprache ausgedrückt (Frass und Krenner 2019, S. 827 ff.).
Die Vedische Wissenschaft ist gerade dabei, das über viele Jahrhunderte dominante einseitige materielle Weltbild zu ergänzen und weiterzuentwickeln. Bewusstsein wird zum Grundparameter des Lebens, Bewusstseinsforschung und -entwicklung zum zentralen Lebensziel.
Der bevorstehende Paradigmenwechsel in der Wissenschaft hin zu einem Bewusstsein-basierten wissenschaftlichen Weltbild ermöglicht eine effizientere Lösung offener medizinischer Fragen.
Das größte Potenzial der Medizin, der Wissenschaft und der Gesellschaft insgesamt liegt im Bereich der Ressourcenentwicklung des Bewusstseins – bezogen auf den einzelnen Menschen und auf die Gesellschaft als Ganzes.
Bewusstsein – das neue Wissenschafts-Axiom
Bewusstsein ist der Rahmen, in dem das Leben gelebt, wahrgenommen und erfahren wird. In der Vedischen Wissenschaft ist „Bewusstsein” der primär entscheidende Faktor für die Qualität des Lebens, einschließlich der individuellen und kollektiven Gesundheit. Dieser wurde im Mainstream-Denken unserer Gesellschaft bisher zu wenig berücksichtigt.
Unterschiedliche Bewusstseinszustände beinhalten unterschiedliche Wahrheiten
Wach-Bewusstsein: Die begrenzte Realität mit ihrer begrenzten Wahrheit.
In der Psychologie und Neurophysiologie werden drei relative Haupt-Bewusstseinszustände definiert: Wachen, Träumen und Schlafen, verbunden mit klar unterscheidbaren Funktionsmustern des Nervensystems.
Die Alltagsrealität unseres modernen Lebens ist die Realität des Wach-Bewusstseins; es ist ein isolierter Ausschnitt aus der Gesamtwirklichkeit des Lebens.
Grundzustand des Bewusstseins
Bewusstsein besitzt aber nicht nur jene vertraute Oberflächendimension, in der die veränderliche Welt des Denkens und Fühlens angesiedelt ist.
In der Vedischen Wissenschaft, einschließlich der Disziplin des klassischen, traditionellen Yoga, wird ein abstrakter, ganzheitlicher und unveränderlicher Grundzustand des Bewusstseins beschrieben (4. Hauptbewusstseinszustand, Transzendentales Bewusstsein, Turiya Chetana). Dieser Bereich ist definitionsgemäß noch jenseits des von der Tiefenpsychologie Siegmund Freuds definierten Unbewussten und bildet die transzendente, vollkommen harmonische, kohärente, transpersonale Quelle aller Gedanken und Gefühle sowie aller Kreativität und allen Verhaltens; C. G. Jung, Begründer der Analytischen Psychologie, betrachtete die Transzendenz als essenziell für die Heilung und das Wachstum der Psyche (Tacey 2004; Freud 1923).
Ein Leben außerhalb der Realität des Wach-Bewusstseins ist für die Menschen – solange sie keine andere Realität kennen – nicht nachvollziehbar, und dies betrifft alle gesellschaftlichen Lebensbereiche, sei es Wissenschaft, Wirtschaft, Erziehung oder Medizin.
Wir leben in einer Transformationsphase, aus der heraus sich eine neue Lebensqualität und Lebenskultur entwickelt: Die „Transzendenz” als neue, grundlegende Dimension des Lebens rückt in den Vordergrund.
Anmerkung
Gerade im deutschen Sprachraum hat die Philosophie und Geistesgeschichte, die sich mit Transzendenz beschäftigen, eine lange Tradition, z. B. Emmanuel Kant (1724-1804) und Carl Gustav Jung (1875-1961):
„Richten wir uns nach den Dingen oder richten sich die Dinge nach uns?” (Kant zum 300. Geburtstag, Stein 2024)
„Der Verlust der Transzendenz war das größte Unglück, das der modernen Menschheit widerfahren ist.” (Jung 2011)
Transzendenz, die neue, entscheidende Dimension für „Gesundungs- und Heil-Werdungs-Prozesse”
Zum Großteil noch unbemerkt, stehen wir vor der wichtigsten Revolution in der Geschichte der Medizin: Die Entdeckung einer nichtmateriellen, einheitlichen und ganzheitlichen Basis des Lebens und der Physiologie, dem transzendenten Intelligenz- bzw. Bewusstseinsfeld der Natur, von dem aus die hochkomplexen Lebens- und Heilungsprozesse gesteuert werden. Diese Erkenntnisse sind in der Vedischen Medizin seit Jahrtausenden bekannt und werden durch neue quantenphysikalische Modelle untermauert (Hagelin 1987, Frass und Krenner 2019, S. 827 ff.).
Bewusstsein und das in seiner transzendenten Tiefendimension enthaltene kreative Potenzial des Naturgesetzes ist somit die Bedingungsebene für individuelle und kollektive Gesundheit:
Bewusstsein in seinem transzendenten Grundzustand bildet als unbegrenztes, abstraktes Energie- und Intelligenzfeld die Basis für jeden ordnenden, harmonisierenden, selbstheilenden und damit evolutionären Prozess in der Natur. Transzendentales Bewusstsein ist die wichtigste treibende Kraft, der Urheber jedes Lebensprozesses – für das Denken und Handeln der einzelnen Menschen genauso wie für gruppendynamische Prozesse in einem Kollektiv, z. B. in einer Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz, in einer Stadt, einem Land oder in der Welt als Ganzem.
Transzendentales Bewusstsein ist die Schaltzentrale des Lebens; sie spielt die entscheidende Rolle für die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung eines ganzheitlichen Gesundheitszustandes. Den Menschen eine Technologie zur Verfügung zu stellen, die die direkte Verbindung mit diesem stillen, absoluten Grundzustand, dem kosmischen Selbst, entwickelt und aufrechterhält, ist der entscheidende Schlüssel für jedes effiziente moderne Gesundheitssystem.
Transzendentale Meditation (TM-Technik)
Der Weg der Selbsterfahrung.
Der zentrale Vorgang, die Ebene Transzendentalen Bewusstseins zu erfahren und zu beleben, ist die von dem Vedischen Gelehrten Maharishi Mahesh Yogi wiederentdeckte jahrtausendealte geistige Yoga-Technik mit dem Namen „Transzendentale Meditation” (TM- Technik, Frass und Krenner 2019, S. 861 ff.).
Sie zählt zu den einfachsten, mühelosesten und wirksamsten klassischen Yoga-Meditationen. Ihre Auswirkungen sind wissenschaftlich gut dokumentiert. Die TM-Technik wird 2-mal täglich 15-20 min bequem sitzend praktiziert. Während der Ausübung wird ein Zustand ruhevoller Wachheit erfahren, der Grundzustand des Bewusstseins.
Es kommt zu einer tiefen Entspannung von Geist und Körper. In dieser tiefen Ruhe der Meditation kann der Organismus Stress, Verspannungen und Blockaden abbauen, er kann sich regenerieren und gleichzeitig „ordnen”, d. h. gesund werden.
Wissenschaftliche Evidenzlage
Umfangreiches wissenschaftliches Studienmaterial belegt die Wirksamkeit dieser ganzheitlichen Bewusstseinstechnologie. In den letzten 40 Jahren wurden über 340 Arbeiten in peer-reviewed Journals veröffentlicht. Im August 2025 erschien die neue nationale Hypertonie-Leitlinie der American Heart Association (AHA)/American College of Cardiology (ACC), in die die Technik der Transzendentalen Meditation aufgenommen wurde (→ https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacc.2025.05.007. Pkt. 5) BP Management, Pkt. 5.1) Recommendations for Lifestyle and Psychosocial Approaches, Stress Reduction: „In adults with or without hypertension, stress reduction through transcendental meditation may be reasonable to prevent or treat elevated BP and hypertension, as an adjunct to lifestyle or medication interventions”).
Links:
Studienzusammenfassung unter
– https://research.miu.edu/ (Maharishi International University, USA, MIU.edu)
– https://MedizinDerZukunft.org/f (Maharishi Vedische Medizin, einschließlich Studienübersicht)
Kollektive Gesundheit
Die Vedische Medizin unterscheidet zwischen der Gesundheit des einzelnen Menschen und der Gesundheit einer Gruppe von Menschen, einem Kollektiv.
Das Klima in einem Kollektiv ist primär abhängig vom Maß an Kohärenz des kollektiven Bewusstseins. Wenn also die Kohärenz, d. h. die Ordnungsparameter, hoch und das Stressniveau im Kollektiv niedrig sind, erfahren gesundheitsfördernde, evolutionäre Prozesse und Verhaltensweisen mehr Unterstützung.
Dieser geordnete, kohärente, d. h. gesunde Zustand im einzelnen Menschen und im Kollektiv entwickelt sich durch die regelmäßige Erfahrung und Aktivierung des stillen Grundzustandes des Bewusstseins (Transzendentales Bewusstsein). Er unterstützt positiv das Gesundheitsverhalten und ist damit die Grundbedingung einer effizienten Vorsorgemedizin – der wesentlichen Voraussetzung für die Entwicklung einer gesunden Gesellschaft. Dieses neue Bewusstsein-basierte Wissenschaftsmodell bildet nicht nur die Grundlage für eine gesunde, sondern auch für eine friedliche Gesellschaft. Gesundheit wird als innerer Friede des einzelnen Menschen, Frieden als kollektive Gesundheit der Gesellschaft betrachtet.
Weitere Informationen und Studienmaterial zum Thema kollektives Bewusstsein und kollektive Gesundheit, → https://MedizinDerZukunft.org/e.
Höhere Bewusstseinszustände
(s. Maharishi Vedische Medizin, einschließlich Studienübersicht
→ https://MedizinDerZukunft.org/f)
Die bekannten und gelebten relativen Bewusstseinszustände sind Wachen, Träumen und Schlafen. Durch die TM-Technik und die TM-Fortgeschrittenen-Programme ist es auf systematische Art und Weise möglich, die im Vedischen Wissenschaftssystem definierten höheren Bewusstseinszustände zu entwickeln: vom Transzendentalen Bewusstsein über das Kosmische Bewusstsein bis hin zum Einheits-Bewusstsein, der höchsten Form der menschlichen Entwicklung; es bedeutet, die Unendlichkeit des Lebens im Alltag leben.
Zentraler Ansatz eines neuen, modernen Gesundheitssystems ist die Entwicklung des Bewusstseins, die volle Entfaltung der inneren Bewusstseinsressourcen. Das Entwicklungspotenzial des menschlichen Bewusstseins und damit des menschlichen Lebens ist unbegrenzt.
Neben den weiterführenden Entwicklungsprozessen der konventionellen und komplementären Medizin ist der wesentliche Schritt hin zu einem modernen, effizienten Gesundheitssystem ein neues ganzheitliches medizinisches Weltbild mit dem Ziel der Entfaltung der unbegrenzten Bewusstseinsressourcen der Menschen. Damit verbunden ist einerseits eine Änderung in Richtung ganzheitliches, gesundes Denken und Handeln und andererseits die volle Entwicklung der Regenerations- bzw. Selbstheilungskräfte des Organismus, die die Voraussetzung bildet für die Wiederherstellung und Erhaltung vollständiger Gesundheit.
„Höhere Bewusstseinszustände”, „Kollektive Gesundheit” und „Selbstheilung” sind Schlüsselbegriffe für eine moderne Medizin der Zukunft; sie bilden die Basis für die Schaffung einer „krankheitsfreien Gesellschaft”.
Gute Medizin zielt darauf ab, das individuelle, aber auch das gesellschaftliche Leben gesünder zu machen. Dies erfordert ein Umdenken aller im Gesundheitsbereich tätigen Menschen, die Etablierung eines neuen ganzheitlichen Verständnisses von Gesundheit und die Anwendung ganzheitlichen Wissens über das Leben.
4.4. Maharishi Vedische Medizin
Eine Einführung in die Maharishi Vedische Wissenschaft geben Frass und Krenner (2019, S. 829-842). Zum Thema Maharishi Vedische Medizin, einschließlich Studienübersicht:
→ https://MedizinDerZukunft.org/f.
Die wiederentdeckte traditionelle Form der Maharishi Vedischen Medizin verkörpert den vollständigen Ausdruck des neuen Weltbildes: „Bewusstsein ist das Primäre, der Körper und die materielle Welt sind sein sekundärer Ausdruck” (Nader 2000, 2015, 2024).
Dies bedeutet, dass alle Erkenntnis letztlich bewusste Selbsterkenntnis ist, da Bewusstsein die Grundlage von allem bzw. alles ist. Voraussetzung für vollständige Heilung ist Selbsterfahrung; die höchste Therapieform ist die Erfahrung des stillen, transzendenten Grundzustandes des Bewusstseins, des eigenen, absoluten Selbstes (Atma). Damit ist der Prozess des Transzendierens der Schlüsselprozess eines modernen, effizienten Gesundheitssystems.
Therapieansatz
Die Vedische Medizin hat einen ganzheitlichen, multimodalen Therapieansatz mit dem Ziel, den transzendenten Grundzustand des Bewusstseins, die innere, ganzheitliche Intelligenz des Organismus zu aktivieren.
Dies wird durch die einzelnen Vedischen Therapieformen auf unterschiedliche Art erreicht:
_ Durch die direkte Erfahrung der transzendenten „Veda-Ebene” des Bewusstseins (Grundzustand des Bewusstseins, Transzendentales Bewusstsein, Atma – das kosmische Selbst) bei Anwendung der TM-Technik und traditioneller Yoga-Fortgeschrittenentechniken (TM-Sidhi-Programm).
_Durch die Belebung der „Veda-Ebene” des Bewusstseins mithilfe von Vedischer Urklangtherapie, Vedischer Marmatherapie, Vedischer Vibrationstechnik, ayurvedischer Pulsdiagnose, ayurvedischen Heilkräutern (spezielle Zu- und Aufbereitungsprozesse), Vedischer Astrologie (Maharishi Jyotish), Vedischer Gesundheitsarchitektur (Maharishi Vastu).
_Durch ausgleichende und harmonisierende ayurvedische Therapieansätze wie ayurvedische Ernährungslehre, tages- und jahreszeitliche Gesundheitsroutine, Kräuterölmassagen, Musiktherapie (Maharishi Gandharva-Veda) und Aromatherapie.
_ Durch reinigende und entschlackende Maßnahmen wie Kräuterdampfbäder, spezielle Massagen, abführende Maßnahmen (Kräutereinnahme, Kräuteröleinläufe, Kräuterölanwendungen im HNO-Bereich), die Verdauungskraft stärkende Maßnahmen (Kräutereinnahme, spezielle Ernährungsempfehlungen). Die traditionelle ayurvedische Reinigungskur wird als Panchakarma bezeichnet (eine äußerst wirksame medizinische Behandlungsform im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen und präventiven Maßnahmen, die sich von Ayurveda-Wellness-Behandlungen grundlegend unterscheidet).
Diese Vedischen Therapieansätze werden individuell auf die Grundkonstitution und den gegenwärtigen Zustand des Organismus abgestimmt. Dabei haben die ärztliche konventionell-schulmedizinische und ayurvedische Anamnese, Befunderhebung und Diagnosestellung eine zentrale Bedeutung.
Maharishi Vedische Medizin beinhaltet die Ganzheitlichkeit der traditionellen, klassischen, zeitlos gültigen Konzepte des Vedischen Gesundheitssystems und drückt sie in der modernen, naturwissenschaftlichen Sprache aus – Maharishi Vedische Medizin integriert neuere wissenschaftliche Forschung und westliche medizinische Qualitätsstandards mit dem jahrtausendealten Wissen der Vedischen Weisen und Gelehrten (Maharishis). In unserer Generation hat der Vedische Gelehrte Maharishi Mahesh Yogi dieses ganzheitliche Wissen über ein gesundes Leben und über die natürlichen Heilungsprozesse in seiner Vollständigkeit wiederbelebt.
4.5. Integrative, Bewusstsein-basierte Medizin – die moderne Ganzheitsmedizin des 21. Jahrhunderts
Die Förderung einer gesunden Gesellschaft und einer gesunden, friedlichen Welt ist ein Jahrhundert-Projekt. Wie eingangs ausgeführt, sind sowohl die technologische Entwicklung als auch die ganzheitliche Bewusstseinsentwicklung von großer Bedeutung für ein effizientes, modernes Gesundheitssystem. Der Schwerpunkt einer „Medizin der Zukunft”, die mit den Herausforderungen des modernen Lebens zurechtkommt, muss auf der vollen Entfaltung nicht nur der äußeren, sondern v. a. auch der inneren Ressourcen der Menschen liegen.
Eine zentrale These dieses Kapitels geht davon aus, dass Gesundheit ein ganzheitlicher Ordnungs- bzw. Kohärenzzustand ist, der den Menschen nicht primär von außen „aufgezwungen” werden, sondern der sich natürlich und spontan nur von innen heraus entwickeln kann.
Das Zentrum dieser Ordnung bzw. Kohärenz ist der bereits beschriebene Grundzustand des Bewusstseins, der in der klassischen Yoga-Literatur als Transzendentales Bewusstsein definiert wird (Turiya Chetana). Es ist die stillste Ebene des Geistes, die Quelle des Denkens, die innerste, kosmische Ebene der Persönlichkeit. Ein anderer Fachbegriff dafür lautet „Atma”, das transzendente Selbst (s. Bewusstsein-basierte Medizin,
→ https://MedizinDerZukunft.org/g).
Anmerkung: Der Weg der Selbsterfahrung
Nicht nur im östlichen Denken generell und speziell in der Vedischen Wissenschaft (s. → Abschn. 2.4.3), sondern auch in der europäischen Geistesgeschichte und Kultur ist dies ein zentraler Satz:
„Erkenne Dich selbst.” (Anm.: Erkenne Dein absolutes Sein, Dein kosmisches Selbst.)
Aurelius Augustinus (354-430), dessen Thema Selbstprüfung und Innenschau als Weg zu Gott war, ist mit dem Satz zu zitieren:
„Geh nicht hinaus, kehre in dich selbst zurück; im Inneren des Menschen wohnt die Wahrheit.” (Confessiones X,6,9)
Meister Eckhart (1260-1328) in Predigten und Traktate – Mystische Wege zur Erkenntnis des Selbst zum Thema mystische Selbsterkenntnis:
„Das „Ich” muss sterben, damit das Göttliche in uns wirken kann.” (Anm.: Das relative, individuelle „Ich” überschreiten, transzendieren, um das absolute, kosmische „Selbst” zu erfahren.)
„Nur das, was der Mensch wirklich ist, heilt ihn.” (aus Erinnerungen, Träume, Gedanken)
Und schließlich ein Zitat von Carl Gustav Jung (1875-1961):
„Wer nach außen schaut, träumt; wer nach innen schaut, erwacht.” (aus: Archetypen und das kollektive Unbewusste)
Ein modernes, effizientes und kostengünstiges Gesundheitssystem erfordert ein neues Lebens- und Menschenbild, und zwar mit Fokus auf gesundem Lebensstil und der Förderung der natürlichen Selbstheilungskräfte der Menschen. Trotz aller Fortschritte der kurativen Medizin wird der Schwerpunkt auf Gesunderhaltung, d. h. Prävention, liegen müssen; dabei spielt ein gesunder Lebensstil eine zentrale Rolle. Eine effiziente Vorsorgemedizin kann nur, wie erwähnt, auf der Basis der Entwicklung des inneren Bewusstseinspotenzials der Menschen erreicht werden.
Sobald der Absolutheitsanspruch der konventionellen Medizin mit ihrem reduktionistischen Weltbild relativiert wird, steht den modernen Gesundheitssystemen eine ungeahnte evolutionäre Reifungsphase bevor.
Die integrative Bewusstsein-basierte Medizin repräsentiert ein ganzheitliches Medizinsystem, das alle Bereiche des Lebens abdeckt, und zwar individuell die des einzelnen Menschen und kollektiv die der Gesellschaft als Ganzes. Der Schwerpunkt liegt auf der Verhütung von Krankheiten (Prävention); dies wird erreicht durch die Rückverbindung mit der Schaltzentrale der Natur mithilfe des Prozesses des Transzendierens und der damit im Zusammenhang stehenden spontanen Entwicklung gesundheitsfördernden Verhaltens.
Der große Vorteil ist das Zusammenführen, die Integration der konventionellen und der komplementären Medizin mit der Vedischen Medizin. Dadurch steht ein umfassendes, vollständiges theoretisches und praktisches Wissen zur Verfügung, das alle Medizin- und Lebensbereiche umfasst und abdeckt. Dieses ganzheitliche medizinische Weltbild eröffnet ein neues Kapitel der modernen Gesundheitssysteme – die Möglichkeit der Schaffung einer krankheitsfreien, gesunden Gesellschaft. Das Know-how dafür ist vorhanden.
Verwirklichung eines Idealzustands des Lebens
Nach Jahrtausenden der Lebenskonzepte, die die Begrenztheit des Lebens propagieren und Probleme, Krankheit und Leiden als unvermeidbar postuliert haben, erfordert es Offenheit, Mut, Weitsicht und auch Vertrauen, ein neues, vollständiges Wissen über das Leben aufzugreifen und umzusetzen. Dadurch entsteht die Möglichkeit der Entwicklung einer gesunden, zukunftsorientierten, glücklichen und friedlichen Gesellschaft.
Der erste und wichtigste Schritt beginnt mit einem Normalisierungsprozess, der Entwicklung des gesamten Bewusstseinspotenzials jedes einzelnen Menschen unter Einbeziehung des stillen, transzendenten Grundzustandes. Damit bekommen die Begriffe „Gesundheit” im Sinne von „heil sein”, „ganz sein” sowie „Selbsterkenntnis” im Sinne der Erfahrung der eigenen, innersten, transzendenten Bewusstseinsebene ihre absolute Dimension für das praktische Leben in vollem Ausmaß zurück. Dies bildet die unabdingbare Voraussetzung für eine effiziente „Medizin der Zukunft”.